DER RICHTIGE UMGANG MIT ANGST AM BERG

Wir müssen uns bewusst sein, dass wir am Berg eigentlich immer unsere  „Komfortzone“ verlassen. Auf der Suche nach dem unvergesslichen Freeride Erlebnis sind wir bereit, an unseren körperlichen und mentalen Grenzen zu gehen. Unser eigentliches Ziel ist es aber, den sogenannten „Flow Zustand“ zu erreichen. Der Flow ist ein wohlfühlender Tätigkeitsrausch. In diesem Zustand leben wir voll und ganz im Hier und Jetzt und erfahren unendlich viele Glücksmomente. Im Flow entsprechen unsere Fähigkeiten den äußeren Anforderungen und wir haben die Balance zwischen Über- und Unterforderung gefunden. Mit mehr Bergerfahrung steigen auch unsere Fähigkeiten und die Anforderungen und der Schwierigkeitsgrad können im gleichen Verhältnis gesteigert werden, um den Flow Zustand auszuweiten. Steigen jedoch die äußeren Anforderungen über die eigenen Fähigkeiten hinaus, so kommt es schnell zur Überforderung. Die Folge  von Überforderung ist Angst! Angst am Berg führt häufig zu Fehlhandlungen und -entscheidungen, mit welchen man sich und seine Freunde schnell in große Gefahr bringen kann. Deshalb sollte jeder versuchen, durch ausreichend Erfahrung in der richtigen Einschätzung der Gefahren eine Überforderung von Anfang an zu vermeiden!

Angstsituationen entstehen in den meisten Fällen, wenn wir das Gefühl haben, die Situation nicht mehr im Griff zu haben, äußere Umstände nicht einschätzen und kontrollieren zu können oder einfach den Zustand der ganz einfach den absoluten körperlichen Erschöpfung erreicht haben. Angst ist ein mentaler Zustand und man kann ihr mit einfachen Techniken entgegenwirken.

Hier ein paar Tipps Angst am Berg von vorneherein zu vermeiden:

1. Die eigenen körperlichen Fähigkeiten kennen und richtig einschätzen
Jeder sollte sich vorher genau bewusst sein, wie körperlich fit man wirklich ist, um eine körperliche Überforderung von Anfang an zu vermeiden.
Besonders im hochalpinen Gelände sollte auch ein Intensitätsanstieg der Anstrengungen mit steigender Höhe in Betracht gezogen werden.
Mit einem gezielten Fitness Training sollte einfach frühzeitig genug begonnen werden, um körperlich voll auf der Höhe zu sein. Körperliche Fitness führt dann natürlich auch zu mentalem Selbstbewusstsein, das zu schaffen!!!

2. Anpassung der Anforderungen an die eigenen mentalen Fähigkeiten
Höhenangst, das Vertraue in sich selbst und in die Tourpartner, Erfahrung im Krisenmanagement und die eigene mentale Verfassung sind wichtige Parameter für eine gesunde Selbsteinschätzung der mentalen Fähigkeiten.
Entsprechend der eigenen mentalen Voraussetzungen können auf dem Weg zum großen Gesamtziel viele kleine Etappenziele gesetzt werden. Denn mit einer leichten Steigerung der mentalen Anforderungen kann man auf diesem Wege Schritt für Schritt eigentlich alles erreichen.

3. Korrektur der eigenen Glaubenssätze
„Ich kann das nicht, ich traue mir das nicht zu, ich habe das ja noch nie gemacht?!?…“ Oft ist es das eigene Selbstbild und die unbewussten Glaubenssätze, die einschränkend wirken können. Glaubenssätze sind Meinungen und Überzeugungen über sich selbst, die auf Erlebnissen und Erfahrungen basieren oder von anderen übernommen werden. Diese kann man bewusst korrigieren und sich selbst vorsagen, bis sie im Unterbewusstsein verankert sind:
„Ich kann das! Das schaffe ich, es macht mir Spaß!“

4. Visualisieren
Bilder haben eine große Wirkung auf das Unterbewusstsein und Gedanken kommen oft in Bildern. Das Gehirn versucht, Bilder vor dem geistigen Auge umzusetzen. „Was wir uns einbilden, wird wahr“ egal, ob positiv oder negativ.
Deshalb sollte man versuchen, vorab mögliche Angstsituationen vor dem inneren Auge häufig abzuspielen. Negative Gefühle von Angst können beim Visualisieren ganz bewusst durch positive Gefühle ersetzt werden. Allein die Vorstellungskraft, „es geschafft zu haben“ oder „das gute Gefühl danach“ geben den Bildern soviel Kraft, dass negative Erfahrungen komplett gelöscht werden können.

in Angstsituationen zu versetzen die Geschichte negativer Gefühle und Erfahrungen durch positive Gefühl

Hilfe Was tun in einer akuten Angstsituation?!? 

Schnell kann das Wetter umschlagen. Die Lawinensituation spitzt sich binnen kürzester Zeit gefährlich zu oder einer eurer Freunde hat sich irgendwo im Backcountry gefährlich verletzt.
Es kann auch sein, dass ihr euch den Anforderungen des 100 Meter Abseilens nun doch nicht mehr gewachsen fühlt oder euch im Gelände verfahren habt und am Rande der absoluten körperlichen Erschöpfung seid. Was nun?

1. Atmung kontrolieren!
In Angst- und Stresssituationen vergessen wir häufig einfach, zu atmen. Als erstes einfach auf die Atmung achten, kurz nach innen fühlen und sich vorstellen, mit jedem Atemzug KRAFT und STÄRKE einzuatmen.
Tief in den Bauch atmen und nicht bei der Brust aufhören. Ein paar Momente einfach nur auf die Atmung konzentrieren. Es hilft auch, bei der Einatmung „eins, zwei“ zu zählen und beim Ausatmen „drei, vier, fünf, sechs“ und sich einfach für ein paar Augenblicke nur auf sich selbst und auf die Atmung zu konzentrieren. Das Ziel ist es, mit der Atmung für einen kurzen Moment konzentriert in den Zustand des Hier und Jetzt zu gelangen, um dann mit neuer Kraft zu handeln.

2. Glaubenssätze vorsagen
Wer fleissig vorher seine Hausaufgaben gemacht hat, hat seine ganz persönlichen und richtigen Glaubessätze schon auswendig parat. Wie in einem Gebet diese innerlich mehrmals vorsagen:
„Ich kann das!“ „Wir schaffen das“ „ich fahre da jetzt runter und habe Spaß dabei!“ „Ich bin gut vorbereitet und fühle mich den Anforderungen gewachsen“Je öfter man diese Glaubenssätze vorab trainiert, umso stärker sind sie schließlich auch in Angst- und Stresssituationen in ihrer Wirkung.

3. Visualisieren
Es lohnt sich, sich ganz kurz vorzustellen, dass man es schon geschafft hat, wie man es sicher bewältigt und sich vor dem geistigen Auge kurz die Bilder des optimalen Szenarios abzuspielen und diese mit positiven Gefühlen wie Freude, Spass, Vertrauen, Zusammengehörigkeitsgefühl zu verbinden. Auch hier gilt: wer das vorher schon trainiert hat, kann mit einer Visualisierung Wunder bewirken.

Ich wünsche euch viel Spass am Berg!